Gestern Heute Morgen

Gedicht von TZ

Die Vergangenheit, sie kehrt schlagartig zurück.
Von der Hoffnung, zum Gestern, war's nur ein sehr kleiner Schritt.
Die Worte der Kindheit, heute wieder so schmerzen.
Die Worte der Kindheit, sie treffen im Herzen.

Du "Vogel", "bist Dumm", "du dreckiges Maul"
"aus dir wird nie was", "Versager", "bist unendlich faul"
"alles, was du kannst, ist Lügen und Schwofen"
"krieg' den Arsch endlich hoch", "gehörst zu den Doofen"

Alles was ich sagte, was ich machte, war schlecht.
Es war einfach falsch, sie hatten halt Recht.
"warum lügst du", "das glaub' ich dir nicht"
Das Gesicht dahinter, heute wieder zu mir spricht.

Das gleiche Gesicht? Ja! Doch in anderer Person.
Von ihm erzogen, geprägt, sind Tochter und Sohn.
Was sie heute wissen, für sie ist es wahr.
Ich bin der Böse, der Schlechte, na klar!

Sie kennen die Wahrheit, aus Omas Sicht.
Das macht es so einfach, vor ihrem Gericht.
Verteidigung? Warum? Wozu?
Ich bin halt hässlich, dumm und lüge dazu.

Was wissen sie, was damals geschah?
Wie war Oma, zu Mama, was ist denn wahr?
Unser letztes Weihnachten, hat sie es erzählt?
Mussten drei Stunden laufen, sie hat sie gequält.

Was hat sie geschimpft, gelacht und gehetzt.
Mama ist krank? Sie hat sie verletzt.
Was Mama auch machte, sie macht es nicht richtig.
In Omas Augen, da war alles nichtig.

Doch dann auf einmal, im Nachhinein
War Mama die Gute, ich wieder das Schwein.
Will jetzt nicht mehr sagen, wie's wirklich war
Tut immer noch weh, wie in jedem Jahr

Ihr habt halt die Wahrheit für euch gepachtet.
Ich finde das Gut, auch wenn ihr mich verachtet.
Denn ihr seid zufrieden, das ist es was zählt.
Ich hab' mit meiner Wahrheit, meine eigene Welt.

Diese Worte, die ich jetzt wieder vernahm,
Als Kind und dann später, in all den Jahr'n,
sie treffen mich tief und auch voller Wut.
Ich muß damit leben und sage "Macht's gut."

Die Worte von damals, die machen mir klar,
ich bin doch ein Schwein, wie's immer war.